Portland, OR, USA
In Ermangelung der für einen Text nötigen Zeit habe ich jetzt einfach mal alle Bilder in einen Pott geschmissen und hier hingestellt. Muss reichen. Viel Spaß.
“I’m Sorry,” …
… sprach der Pursor in 10km Höhe bei 1033km/h irgendwo zwischen Chicago und Neufundland zum Fluggast, “aber ihre Tasche hat es nicht geschafft.”
Das war abzusehen.
O’Hare, Chicagos Flughafen, ist riesengroß - und ich hatte nur 55 Minuten zum Umsteigen. So ein vollgepacktes Eastpak-Monstrum hat zudem keine Beine und kann nicht mal eben im Stechschritt Terminals wechseln. Keine große Überraschung also. Überraschend schon eher, dass er mir darüber hinaus mitteilte, dass meine Tasche in Hamburg auf mich warten werde. “Sie fliegt jetzt über Frankfurt und sollte gegen Mittag in Hamburg ankommen.” Ich für meinen Teil bin über Amsterdam geflogen, wo ich zwischen meinen Flügen dreieinhalb Stunden in den Drähten und ausgeleierten Federn meiner komplett zerfransten inneren Uhr hängen durfte. Great fun.
Angekommen in Hamburg: Keine Tasche in Sicht. Also zum Schalter und das Lied von des Pursors Nachricht und der kurzen Umsteigezeit in Chicago gesungen. Das Mädchen hinter dem Tresen hat ihren schlauen Computer befragt und nix gefunden. Dann hat sie die Verlustanzeige aufgenommen und ist ins Philosophieren gekommen:
“Ich könnte mir ja vorstellen, dass ihre Tasche es eventuell in Chicago nicht geschafft hat, und dass sie jetzt auf anderem Wege nach Hamburg geschickt wird.”
Ach so? Ich war zwar völlig am Ende, aber dass ich ihr genau das gerade erzählt hatte - das wusste ich noch. Also sag’ ich: “Ja, also, da müssen Sie sich nicht viel vorstellen - das ist so. Hab ich ihnen doch gerade erzählt.”
- “Ja, ich wollte nur noch mal verdeutlichen, was eventuell passiert ist.”
- “Eventuell? Nix eventuell. Das ist genau das, was passiert ist. Sie erzählen mir gerade etwas, was ich schon weiß. Erzählen Sie mir doch lieber mal, wann meine Tasche ankommt, wenn sie noch nicht hier ist?”
- “Das kann ich Ihnen auch nicht sagen, ich gehe einfach nur davon aus, dass ihre Tasche es in Chicago wahrscheinlich nicht geschafft hat.”
- “Wahrscheinlich? Sie HAT es NICHT geschafft. Warum sollte mir der Mann von United Airlines das sonst erzählen? Hören Sie mir eigentlich zu?”
- “Ja, ich höre Ihnen zu. Ich wollte nur …”
- “Ich weiß. Lassen Sie’s gut sein.”
Zettel genommen, vom Zoll zerpflückt worden (”Zeigen Sie mir bitte mal die Tastatur ihres Laptops. Neue Schuhe? Wie hoch waren denn nun insgesamt ihre Ausgaben in den USA? Darf ich noch mal in ihren Rucksack gucken?” etc., etc.), der aber auf vollkommen verlorenem Posten stand - jedenfalls hat er nix gefunden. Ätsch. Im Taxi sofort eingeschlafen.
Heute unter der Dusche stehend diesen Text formuliert, als es an der Tür klingelte und irgendeine arme Sau mir die bestimmt 20+kg schwere Tasche hochgeschleppt hat. Geht doch alles.
© 2007 DavidLuther.com






















