Shady.

Dienstag, den 19. Juni 2007, 23:43.47 Uhr von David in der Kategorie

Also stellt er sich da hin, ans Mikrofon. Er ist auf Bezirksebene Politiker und ist oh so bemüht, sich für die Jugend, und Skateboarder im Besonderen einzusetzen. Seine Partei, die sich “christlich” nennt, hat vor nicht all zu langer Zeit ein paar lokale Skateboarder an Land gezogen und mit diesen erörtert, was man denn für diesen festen Teil eines jeden Stadtbildes tun könnte. Es geht ja schließlich nicht an, wenn die dummerweise für teures Geld gekauften Billigsteine eines Platzes im Stadtzentrum von Achsen rund gemacht werden. Eine Alternative muss her. Ein Antrag wird eingereicht.
Dummerweise befindet man sich in der Opposition, und die Mehrheit, bestehend aus einer Koalition, lehnt den Antrag ab. Kein großer Deal, so wird versichert, die sind nur beleidigt, dass denen das nicht eingefallen ist.

(Merke: Wer andere ins Glashaus setzt und darüber spottet, sollte sich später nicht dazu setzen. Aber dazu gleich mehr.)

(Vorspulen)

Ein paar Wochen später bringt die Mehrheit den Antrag wieder aufs Tapet. Ein bisschen abgeändert. Größte Änderung dabei: die Streichung eines geplanten Workshops, der eruieren sollte, was denn nun genau passieren soll. Statt dessen steht da: Beschluss der Beauftragung eines Planungsbüros, bei abgeschlossener Planung Bau. Mal eben den Turbo eingeschaltet, quasi. Lobenswert. Sollte man meinen.

Und jetzt wird es kindisch.

Zuerst taucht ein geschniegelter, christlicher Doktor auf und erklärt den Antrag entsprechend der Geschäftsordnung für streichbar, weil der letzte, gleichlautende Antrag noch keine vier Monate alt ist. Leider fällt er dabei nicht tot um.

Und dann geht sein ebenfalls christlicher Sitznachbar ans Mikrofon und erklärt allen Ernstes, es sei den Skatern egal, wer die Geschichte denn nun nach vorne bringe (was stimmt), das sei ja eine reine Schildbürgergeschichte (das stimmt auch), man mache sich lächerlich (richtig), das müsse einfach nur getan werden (jawohl!) und die Christlichen würden diesen Antrag der Mehrheit nicht unterstützen (…wa…?).

Bidde? Hallo, Logik? Glashaus.

Aber, wie gesagt, vielleicht haben sie den Antrag zuerst eingebracht und uns kontaktiert, aber sie haben einfach nicht die Mehrheit. Ein verdammtes Glück. Es wird beschlossen.

Keine Ahnung, was diese schmierig geschniegelten, christlichen Volksvertreter Sandkastenstreiter dazu gebracht hat zu glauben, dass wir uns vor einen Parteikarren spannen lassen, aber einer der leitenden Christen war sich tatsächlich nicht zu blöde, uns mit den Worten “Na, mal gucken, wo die jetzt ein Planungsbüro herbekommen wollen” zu verabschieden.

Dabei haben wir schon längst Schützi kontaktiert. Selten habe ich mit so viel Genugtuung ein “Haben wir schon längst” abgefeuert.

Den darauf folgenden Gesichtsausdruck im Politikergesicht, den hätte ich gerne öfter mal im Fernsehen.

Ja, es ist uns in der Tat egal, wer das Ding nach Vorne bringt. Und wenn GAL und SPD da Nägel mit Köpfen machen wollen, dann bringe ich gerne den Hammer mit.

(Nachtrag: Ich bin ja eigentlich kein Fan von Friedmann, aber hier fragt er sehr amüsiert bei einer SPD-Hinterbänklerin (Lale Akgün) nach, wie denn so etwas sein kann und was da in einem vorgeht. Eine vernünftige Antwort, so viel sei verraten, bleibt sie schuldig. Via.)

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